Die Altäre der St. Martinskirche in Jöhlingen


Die Altäre der St. Martinskirche in Jöhlingen
ein Werk des Hofbildhauers Joachim Günther,

der am 3. März vor 300 Jahren geboren wurde.


Als neuntes von zwölf Kindern wurde Günther 1720 in Oberbayern geboren. Um 1735 begann er seine Bildhauerlehre. Zu dieser Zeit war sein älterer Bruder Matthäus schon ein weithin bekannter Maler, der in Augsburg lebte und mit vielen Stuckateuren und Bildhauern in Kontakt stand.

Wahrscheinlich erhielt der jüngere Bruder Joachim daher seine künstlerische Ausbildung im Umkreis von Matthäus Günther. 1747 etablierte er seine eigene Bildhauerwerkstatt in der Nähe von Augsburg. Ab 1752 war er in Bruchsal tätig. Der Speyrer Fürstbischof Franz Christoph von Hutten ernannte ihn nur drei Jahre später zu seinem Hofbildhauer in Bruchsal.

Bereits 1749 hatte Joachim Günther Anna Maria Müller aus der Gegend von Augsburg geheiratet. Die Söhne aus dieser Ehe machten Karriere im Umfeld des fürstbischöflichen Hofes.

Günther war ein Bildhauer an der Schwelle vom späten Barock zum frühen Klassizismus. Das aus 35 Einzelteilen bestehende Gesamtwerk Günthers, wovon nur noch 13 erhalten blieben, ist größtenteils durch Urkunden zu belegen und kann in zwei Typengruppen, die Ziboriumaltäre und die Retabelaltäre, eingeteilt werden. Nur die Altäre der St. Peterkirche in Bruchsal und der Martinskirche in Jöhlingen sind in unveränderter Form erhalten geblieben und bilden ein Denkmal für das Schaffen des Joachim Günther. Er verstarb am 2.7.1789 in Bruchsal.

Der als Ziboriumsaltar ausgeführte Hauptaltar der Jöhlinger Kirche wurde so in den Polygonalchor eingefügt, dass das Licht effektvoll durch die Chorfenster, besonders dem auf Höhe des Altarbaldachins liegenden Rundfenster, eintritt und die zentrale Figurengruppe beleuchtet. Diese die Martinslegende darstellende Szene, bei der der Heilige zu Pferde seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilt, ist hier als Freiplastik ausgeführt.

Die beiden, den Hauptaltar flankierenden geraden Retabelaltäre stehen rechts und links an der zwischen Chor und Langhaus eingezogenen Wand. Beide sind vom Aufbau her gleich und unterscheiden sich nur durch ihre zentrale Figur, rechts die „Maria Immakulata“ und links die „Heilige Katharina von Alexandrien“.

Hingewiesen werden soll an dieser Stelle noch auf eine andere Verbindung der Familie mit Jöhlingen. Der jüngste der 12 Kinder – alles Söhne – war Franz Christoph, geb. 13.3.1770. Pate war der Speyrer Fürstbischof und Kardinal Franz Christoph von Hutten, dessen Vornamen er erhielt. Er besuchte das Gymnasium Bruchsal, dann zwei Jahre lang die theologischen Vorlesungen im dortigen Seminar, kam im Mai 1791 an das Seminar Heidelberg als domkapitularischer Alumnus, wo er bis Herbst 1793 bei den Lazarisien dem Studium der Theologie oblag. Geweiht wurde er 28.2.1795 zu Bruchsal. Anfang 1798 war er in Schleithal, wo der Pfarrer geflüchtet war, dann in Bruchsal bei seiner verwitweten Mutter, kam 1799 als Kaplan nach Jöhlingen, 1801 nach Harthausen bei Speyer und war dort Pfarrer bis 1809. Pfarrer in Ottersheim bei Bellheim 1809, seit 1814 wirkte er in Speyer als Kantonpfarrer mit Feuereifer, wurde 1821 in das Domkapitel berufen, leitete die Diözese als apostolischer Vikar bis zur Ankunft des neuen Bischofs. Er wurde Direktor der bischöflichen Kanzlei, schrieb als solcher eine Chronik der Speyrer Bischöfe neuerer Zeit und starb am 9.11.1848 in Speyer.



Anton Machauer

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