Historische Info - Serien


Info Serie "Kunkelstube" oder "Vorsetz" - Teil 1 - 6


  • Teil 1 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    Vorwort


    In den Aufzeichnungen 

    “Jöhlingen und Binsheim: Eine Materialsammlung über die wechselvolle Heimat- und Ortsgeschichte unseres Kraichgaudorfes Jöhlingen und deren Siedlung Binsheim“ von 1983 von Bernd Burgey, ehem. Heimatkundler aus Jöhlingen, ist mir der Ausdruck „Kunkelstube“ aufgefallen.

    Diese Einrichtung wurde später hier im Ort als „Vorsetz“ bezeichnet. Ob und wann der Name „Kunkelstube“ bei uns in Jöhlingen zur „Vorsetz“ wurde, oder ob der Name „Kunkelstube“ nur im Zusammenhang mit den Vogtsgerichtsverordnungen oder -anweisungen benutzt wurde, steht offen. 

    „Kunkelstube“, „Lichtstube“ oder „Vorsetz“ sind unterschiedliche Namen für ein und dieselbe Sache. 

    Zu früheren Zeiten trafen sich die Menschen in der dunklen winterlichen Jahreszeit nach getaner Arbeit zu einer geselligen Runde. Das waren meistens verheiratete Frauen und unverheiratete Mädchen.

    Die einen standen im Leben, die anderen wurden darauf vorbereitet. Dass sich die jungen Männer zur fortgeschrittenen Stunde, wenn die „Alten“ nach Hause gegangen waren zu den jungen Mädchen gesellt haben, blieb nicht unverborgen und so schritten in vielen Orten die Moralwächter ein. 

    Die „Kunkelstube“ oder „Spinnstube“ war früher der soziale Treffpunkt der Frauen im Ort. Es wurden Handarbeiten verrichtet, aber auch Frauenwissen weitergegeben. Die Frauen unter sich handelten z.B. auch aus, wer mit wem verheiratet wird. Das mühsam erarbeitete Vermögen musste zusammenbleiben.

    „Die Frauen spannen den Faden von der Vergangenheit in die Zukunft“.

    Zu früheren Zeiten trafen sich auch unverheiratete junge Männer und Frauen für kleinere

    Tanzveranstaltungen in den „Kunkelstuben“. Die männliche Obrigkeit, auch bei uns in Jöhlingen das Speyrische Hochstift, sah diese Zusammenkünfte gar nicht gerne. Das Moralverhalten der Jugend war nicht in ihrem Sinne. In der Gemeinde wurde deshalb das Zusammentreffen in den „Kunkel“ - oder

    „Lichtstuben“ von ledigen Männlein und Weiblein untersagt. Bei einem Vogts-Gerichtstag in Jöhlingen,in der Mitte des 16. Jahrhundert, bei dem ein Domherr aus Speyer den Vorsitz hatte, wurden unter anderem Anweisungen und Verbote ausgesprochen.

    „Den Hausvätern und Hausmüttern welche „Kunkelstuben“ hatten wurde befohlen, 

    keine ledigen Burschen bei den Treffen zuzulassen“.

    Die Begründung dafür waren die häufig vorkommenden Streitigkeiten bei diesen Zusammenkünften.

    So vielfältig das Brauchtum der winterlichen Stubenversammlung auch war, so vielfältig ist auch ihre Bezeichnung. 


    Was ist nun eine „Kunkel“  oder „Gunkel“? – Fortsetzung folgt


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  • Teil 2 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    Was ist nun eine „Kunkel“ oder „Gunkel“?


    Eine „Kunkel“  oder „Gunkel“ ist das Material wie Flachs oder Wolle, das um einen Stab gewickelt wurde. Das Ganze nennt sich dann „Spinnrocken“. Der Rocken wird auch je nach Gebiet und Örtlichkeit als Wocken, Spinnrocken, Spinnwocken, Flachsstab, Flachsstock, Flachsständer, „Kunkel“  oder Kunkelstab bezeichnet.

von unserem Mitglied Thomas Vollmer

Was ist nun eine „Kunkel“ oder „Gunkel“?


Eine „Kunkel“ oder „Gunkel“ ist das Material wie Flachs oder Wolle, das um einen Stab gewickelt wurde. Das Ganze nennt sich dann „Spinnrocken“. Der Rocken wird auch je nach Gebiet und Örtlichkeit als Wocken, Spinnrocken, Spinnwocken, Flachsstab, Flachsstock, Flachsständer, „Kunkel“ oder Kunkelstab bezeichnet.



Mühevoll, aber notwendig  

 

Hier in der Gegend um Jöhlingen und Wössingen wurde sicher auch Flachs angebaut und zum Teil verarbeitet. Die klimatischen Bedingungen waren hier im Kraichgau gegeben. Flachs war nicht nur Grundlage für die Bekleidung und Arbeitsgeräte, sondern seine Samen, die Leinsamen, waren als Nahrungsmittel wichtig. Ich entdeckte als Jugendlicher

auf dem Dachboden in dem großen Bauernhaus in Wössingen, wo meine Großeltern wohnten, auch eine alte, von der Arbeit gezeichnete Flachsbreche, die auch in manchen Gegenden als Racke bezeichnet wird. Die meisten Leute konnten

in der modernen Zeit mit solch einem alten Arbeitsgerät hier in der Gegend nichts mehr anfangen und so hat man diese Hilfsmittel zur Flachsverarbeitung aus Unkenntnis einfach entsorgt. Es war ein langer, mühsamer Weg mit vielen aufwendigen Arbeitsschritten bis aus einem Flachsstängel ein Kleidungsstück oder vielleicht ein Seil wurde. Das begann mit dem schweißtreibenden Ausreißen der Pflanze, das Brechen der Pflanzenstiele (dem sogenannten Racken), dem Hecheln auf der metallzahnigen Hechel, dem Spinnen zu einem Faden, bis den Frauen von dem rauen Material die Finger bluteten, dem monotonen Weben zu einer Stoffbahn, dem darauffolgenden bleichen der Stoffe auf den Wiesen bis zum Ende ein brauchbares Endprodukt entstand, das den Menschen nützlich wurde und ihnen Freude machte.


Übrigens war früher Flachs oder Hanf auch das Grundmaterial für die mannigfaltige Herstellung von Seilen, Stricken, Strängen, Schnüren, Bindfaden oder auch Wäscheleinen für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Das alte Seilerhandwerk wird seit Generationen heute noch in Wössingen betrieben. Der Grund für das Zurückgehen des Flachsanbaus war das immer stärkere Aufkommen der Baumwollfaser als Ersatzwerkstoff für Bekleidung und Arbeitsutensilien. Nur noch zur Gewinnung von Leinsamen als Nahrungsmittel und zur Ölgewinnung wurde Flachs angebaut.


Geisterglaube - Fortsetzung folgt


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  • Teil 3 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    Geisterglaube 


    In meiner Jugendzeit, in den 1960er Jahren, haben hier im Ort die älteren Frauen zum Teil noch die heranwachsenden heiratsfähigen Mädchen darauf aufmerksam gemacht, zwischen Weihnacht und Neujahr keine Wäsche zu waschen und 

    sie aufzuhängen. Das würde Unglück bringen. Woraus ergab sich diese Aussage? In der kalten, bedrückenden und düsteren Winterzeit war der Weg zum Geisterglauben der Menschen nicht weit. Naturgewalten wurden als Schicksal hingenommen oder von Gott gewollt. Die Leute saßen in der unwirtlichen Jahreszeit in ihren nur spärlich beleuchteten Stuben zusammen und erzählten sich immer schauerliche Geschichten, auch Märchen genannt, welche über Generationen weitererzählt wurden, z.B. „Frau Holle“.

    Trotz ihrer christlichen Erziehung haben die Tage vom 25. Dezember bis 6. Januar, die als Raunächte  bezeichnet werden, bei den Menschen bis in unsere heutige Zeit Spuren hinterlassen. In den Raunächten (früher Rauhnächte), so erzählte man sich, stand nach altem Volksglauben das Reich der Geister offen. Die Seelen der Verstorbenen, welche vorzeitig einen gewaltsamen Tod gefunden haben, sollen in diesen Nächten als Geister umherziehen. Sie jagen zum Unmut der Erdenbewohner mit ihrem wilden Treiben den Menschen Furcht ein. Das Heulen des Windes, das Verwirbeln des Schnees oder Regens um die Häuser in der Dämmerung lässt den Eindruck entstehen, als wenn wilde Geister den Himmel als Spielplatz benutzten. Wotan, der germanische Gott, oder auch Odin genannt gilt als Anführer dieser wilden Horte. 

    Frau Holle, die „Perchta“ ist auch dabei. Sie schaut aber nur ob alles sauber und ordentlich in den Häusern ist und ob alle Spinnrocken versponnen sind. Den fleißigen Mädchen geschah nichts, das waren die „Goldmaries“. Die „Faulen“ aber, die ihren Spinnrocken nicht abgearbeitet haben, wurden bestraft. Wie, das blieb Frau Holle überlassen. Im Märchen der Gebrüder Grimm wurde die „Faule“ mit Pech übergossen.

    Alltägliche Arbeiten wie spinnen, weben oder Wäsche waschen waren in diesen zwölf Tagen zu unterlassen. Wer sich nicht daran hielt, dem war nach dem heidnischen Volksglauben Unheil prophezeit.

    Im Haus durfte keine weiße Wäsche auf der Leine hängen. Die unsichtbare „wilde Horte“ könnte diese stehlen und sie im Laufe des Jahres als Leichentuch für einen aus der Familie benutzen. Es sollten auch keine Wäscheleinen gespannt sein, da sich in diesen die wilden Geister verfangen könnten und Unheil über das Haus, die Familie oder das Vieh bringen. Eine sehr drastische Strafe der Geister war etwa diese. Beobachtet jemand das wilde Treiben der Geister absichtlich durch ein Fenster, so schwillt denen der Kopf an, dass sie ihn nicht mehr zurückziehen können. Da half nur eines in dieser Geisterzeit: Beten, Fasten und warten bis der 6. Januar da ist und die Heiligen Drei Könige diesen fürchterlichen Spuk beenden. 


    Fortsetzung folgt


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  • Teil 4 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    Vorsetz = Kunkelstube


    Die „Vorsetz“, so hieß der alte Brauch bei uns im Ort, wenn die Frauen während der kalten Winterzeit abends nach getaner Arbeit zusammenkamen. Entstanden ist der Brauch aus den Spinn-, „Kunkel“ oder „Lichtstuben“. Hauptsächlich kam die Weiblichkeit abwechselnd bei Geschwistern, Nachbarn, Freunden oder auch Schulkameradinnen zusammen, um gemeinsam zu spinnen, stricken und um Neuigkeiten auszutauschen. Heranwachsende junge Mädchen und kleinere Kinder durften auch mitkommen. 


    Warum heißt der Brauch „Vorsetz“?


    „Vorsetz“, Vorsätz oder Vorsitz kommt wahrscheinlich von sich zusammensetzen um etwas vorgesetzt zu bekommen, ob das eine Kleinigkeit zu essen war oder auch das neueste aktuelle Dorfgeschehen. Den Begriff „Vorsetz“, Vorsätz kann man aber auch von dem Wort „Vorsatz“ ableiten. Etwas vorhaben, planen, beabsichtigen. Jemandem etwas präsentieren (vorsetzen, vorbringen), z.B. eine Geschichte oder ein Ereignis. Die Volkskundler sind sich über das Wort welches es angeblich schon seit dem 16. Jahrhundert gibt auch nicht ganz einig. Spielt auch heute keine Rolle mehr. Die Leute hatten früher bei den Versammlungen gute Unterhaltung und viel Spaß. Was bei der „Vorsetz“ passierte und geredet wurde, sollte nicht nach außen getragen werden.


    Wann war die „Vorsetz“?


    Mit dem Ende der Erntezeit hatte die Landbevölkerung etwas mehr Zeit. Nach der Arbeit auf dem Feld, im Garten und in den Stallungen musste ja im Haus alles in Ordnung gebracht werden. Es wurde geputzt, Kleider und Schuhe und alles was im bäuerlichen Haushalt liegen geblieben ist, musste wieder hergerichtet werden. Normalerweise begann nach Weihnachten die „Vorsetz“, und sie ging bis Lichtmess. Dieser Zeitabschnitt war so etwas wie die Erholungszeit für das Landvolk. Mariä Lichtmess, der 2. Februar, stand für den Beginn des neuen Bauernjahres.


    Was wurde bei der „Vorsetz“ gemacht?


    Die Frauen haben Flachs und Wolle gesponnen und gestrickt. Die jungen Mädchen haben für ihre Aussteuer (ein Teil der früheren Mitgift*) Tischdecken und Schürzen bestickt, aber auch Kopfkissen, Tischdecken und Taschentücher mit Bordüren versehen.


    *Mitgift = Mitgabe. In der mittel- und hochhochdeutschen Sprache hatte das Wort „Gift“ die Bedeutung von „Gabe“. Etwas mitgeben. Im Englischen gibt es das Wort „Gift“ (Geschenk, Mitbringsel) noch.


    Fortsetzung folgt


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  • Teil 5 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    Was wurde bei der Vorsetz gemacht? - Fortsetzung


    Dabei haben sich die Frauen erzählt, was sich so das Jahr über in ihrem noch jungen Leben ereignet hat. Von den „Alten“ schon verheirateten Frauen wurde das sogenannte „Frauenwissen“ an die jungen Mädchen weitergegeben, denn das Leben bestand nicht nur aus Arbeit.

    Das Alltagswissen der Frauen untereinander wurde so über Generationen hinweg weitergegeben. Wie man Halsschmerzen lindert, wie man mit einer gewissen Teemischung heilt oder Hustensäfte selbst herstellt oder einem kranken Tier mit alten Hausmitteln Linderung verschafft.

    Eine kluge Frau, die Theologin und Pädagogin Christa Mulack, hat einmal den Satz geprägt:


    „Frauenwissen umfasst alles, von der Zeugung und der Zeit davor  bis zum Sterben und der Zeit danach“.


    Für viele Frauen war es eine gewisse Erleichterung sich einmal jemandem anzuvertrauen um ihre Sorgen wie auch die Freuden mit jemanden zu teilen. Frauen sprechen leichter über Kinder, Gesundheit, Probleme in der Familie oder Partnerschaft mit anderen Frauen. Für viele war es oft Balsam für ihre angekratzte Seele.

    Die „Vorsetz“ war zu früheren Zeiten für die Frauen auf dem Lande, mit ihrem zum Teil entbehrungsreichen Alltag, eine ideale Einrichtung. Wilhelm Hauff schrieb einmal in seiner Geschichte „Phantasie und Märchen“:


    „...der Gram ist ein Stein, der den einzelnen niederdrückt,  aber zwei tragen ihn leichter aus dem Weg.“


    Die Frauen ermächtigten sich, verbotenerweise bei diesen Treffen, zuweilen auch zu Liebesstifterinnen. Es wurde nicht nur Garn gesponnen, sondern auch versucht Schicksalsfäden miteinander zu verweben. Manches Pärchen wurde in der „Vorsetz“ zu seinem Glück oder Unglück zusammengebracht nach dem Motto „Schönheit vergeht, Acker besteht“. Natürlich wurde in der geselligen Runde nicht nur Tee getrunken. In unserer Gegend überwiegend der traditionelle Most, Hansa (Johannisbeerwein) oder vielleicht einmal ein ⅛ l Wein. Viele Gastgeberinnen ließen auch den von ihnen im Herbst angesetzten Likör probieren. Diese kleinen Seligmacher haben so manche Wangen gerötet und den rauen Alltag etwas vergessen lassen. Dazu aß man die noch übrig gebliebenen Weihnachtsplätzchen („Bredlen“), Christstollen oder ganz einfach nur ein Marmelade- oder Honigbrot. 


    Fortsetzung folgt


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  • Teil 6 von 6

    von unserem Mitglied Thomas Vollmer

    "Klatsch", "Tratsch" und Bohnenkaffee


    Der alte umgangssprachliche Ausdruck „etwas durchhecheln“ stammt aus der Flachsverarbeitung, dem Hecheln. Die gebrochenen Hanfhalme wurden über die Hechel gezogen, um sie zu säubern und geschmeidig zu machen. Die Personen, welche die Flachsstängel verarbeiteten, hatten genügend Zeit bei ihrer eintönigen Arbeit das Dorfgeschehen nebenbei genauer unter die Lupe zu nehmen. Immer wieder war bei den Arbeitskreisen die Redewendung zu hören: 

    „Hasch schon g´hert“! (Hast du schon gehört!). Das war das sichere Zeichen für Gespräche, die am Rande von Wahrheit, Vermutung oder Wunschdenken lag. Im Volksmund wurde dann das bösartige, ironische, spöttische Reden und Klatschen über Jemanden oder über Etwas auch als „Hecheln“ bezeichnet. Es wurde nach Herzenslust „getratscht“ und „geklatscht“. In den meisten Fällen wird beim Klatschen über Personen geredet, die nicht anwesend sind. 


    Was hat nun aber der Klatsch und Tratsch mit Bohnenkaffee zu tun? 


    Nach den beiden Weltkriegen wurde der Brauch der „Vorsetz“ wie zuvor weitergeführt. Es war immer noch die Versammlung, um das Dorfgeschehen auszuleuchten und mündlich zu verbreiten. Gut war es aber auch, dass jeden 

    Tag immer mehr kleinere Lichtlein am Horizont erschienen, um den Menschen das Leben zu erleichtern. Die Handarbeitstätigkeiten kamen bei diesen Frauenkränzchen immer mehr ins Hintertreffen. Aus der ehemals von

    Handarbeit geprägten Zusammenkunft wurde ein gemütlicher „Kaffeeklatsch“ und dabei wurde womöglich, wenn es unbedingt sein musste, ein Paar Socken gestrickt. Tee war in variabler Ausführung das Standardgetränk in diesen Frauenrunden. Ein ganz besonderer Luxus bei diesen weiblichen Zusammenkünften war aber der Kaffee. Konnte man als Gastgeberin eine Tasse „Bohnenkaffee“, ich wiederhole, Bohnenkaffee, anbieten war das ein besonderes Geschenk der Gastgeberin an ihre weibliche Gesellschaft. Schon das Wort „Bohnenkaffee“ löste bei den Frauen das Gefühl aus, in der gesellschaftlich oberen Region zu sein. Musste man sich doch über die ganzen entbehrungsreichen Kriegsjahre des Ersten und Zweiten Weltkrieges mit „Muckefuck“ (= französisch Mocca faux/falscher Kaffee; Kaffee-Ersatz aus geröstetem Gerstenmalz) begnügen. Kaffee aus echten Kaffeebohnen war früher immer eine Mangelware. 


    „Bohnenkaffee, das war nach 1945 Wohlstand in Tassen“.


    Liebe Leserinnen und Leser,


    mit diesem Artikel beenden wir diese Info-Serie.


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Zweite Ausgabe der


Walzbachtaler Heimatblätter - Ausgabe 2022


ab 18.05.2022 erhältlich




„50 Jahre Walzbachtal – Leben in Vielfalt“




„50 Jahre Walzbachtal – Arbeit der Vereine, Kirchengemeinden und Einrichtungen in der Gemeinde“

Info-Serie: Ortsnecknamen - scherzhafte, oft spöttische Bezeichnungen für Ortseinwohner

Plakat /Motto unseres Beitrags zum Festumzug der Freiwilligen Feuerwehr und der Feuerwehrkapelle Jöhlingen

Foto: A. Machauer

Jöhlinger „Kreuzköpf“ und

Wössinger „Mondspritzer“

 

1. „Jehlinger Kreizkepf“


Die Jöhlinger haben ihren Übernamen "Kreuzköpf" der Tatsache zu verdanken, dass sie schon immer überwiegend katholisch waren und auf diese Weise von ihren Nachbarn gehänselt werden.

Nicht nur im Necknamen „Kreuzköpf“, sondern auch im Standort von Kreuzen, kann man die „Glaubensgrenzen“ (katholisch/nicht katholisch) erkennen. 
So steht an der Landstraße von Gondelsheim nach Neibsheim links oben am Hang – exakt auf der Gemarkungsgrenze!  – ein Wegekreuz der Neibsheimer – sozusagen als Meldung an alle: „ab hier sind wir katholisch“.


Ähnliches lässt sich zum „Hoffmann`schen Kreuz“ an der Straße Wöschbach/Wössingen sagen, das zu einem Wöschbacher Kreuzweg gehört, aber auf Jöhlinger Gemarkung steht."


Sie stehen damit aber nicht alleine da. So nennen die Altlußheimer (sie sind überwiegend evangelisch) ihre Rheinhausener Nachbarn, die ebenfalls von der Herrschaft des Fürstbistums Speyer her immer schon überwiegend katholisch waren, auch "Kreuzköpf". Letztere fahren die Retourkutsche, indem sie die Altlußheimer "Lutherköpf" betiteln.

 

Dasselbe spielt sich zwischen den Menzingern (meist evangelisch) und den Landshausenern ab, wo erstere die letzteren ebenfalls mit dem Unnamen Kreuzköpf hänseln.

 

Auch die Einwohner von Rohrbach bei Eppingen tragen diesen Namen. Der konfessionelle Zwist war auch Anlass, dass die Bewohner von Neudorf (überwiegend katholisch) von ihren Nachbarn aus Graben (überwiegend evangelisch) den Übernamen "Kreuzköpf" erhalten haben. Denkbar wäre aber auch eine ähnliche Herkunft wie bei den Balsfeldern, die auch "Kreuzköpp" geuzt werden, wegen der zahlreichen Kruzifixe, die sie haben.

 

Auch die Stockheimer erscheinen den evangelischen Nachbardörfern als "Kreuzköpfe", weil das seinerzeit zum Deutschen Orden gehörige Stockheim katholisch geblieben war und im Ort Bildstöcke und Wegekreuze stehen.

      Mondspritzerbrunnen im Bürgergarten Wössingen

      Foto: Gemeindearchiv

2. „Wessinger Mondspritzer“


Eine Erklärung, wie die Wössinger zu ihrem Namen "Mondspritzer" gekommen sind, finden wir im 1971 erschienen Buch "Wössingen im Wandel der Zeit".


Danach schaute vor vielen Jahren in Wössingen ein Bauer abends noch einmal nach seinem Vieh, bevor er sich zur Ruhe begab. Im Schweinestall sah er eine außergewöhnliche Helligkeit und vermutete einen Brand. Kopflos alarmierte er die Feuerwehr. Man spritzte zunächst große Wassermassen oben zum Stall hinein. Der Brand wollte nicht nachlassen. Ein beherzter Feuerwehrmann riss schließlich die Stalltür auf, damit man nicht mehr nur durch die obere Öffnung spritzen müsse. Was entdeckte man nunmehr? Die Helligkeit im Schweinestall war durch den zum Fenster herein scheinenden Vollmond entstanden. Man hatte also den Mondschein bespritzt. Die lieben Nächsten nannten von da ab die Wössinger nur noch Mondspritzer. Der Übername blieb ihnen bis zum heutigen Tag.


Prof. Otto Heilig nennt in "Die Ortsnamen des Großherzogtums Baden, Abschnitt Ortsneckereien" eine Variante dieser Geschichte. Danach werden die Wössinger "Mondspritzer" genannt, weil sie einmal, als der Mond ins Wasser schien, glaubten, das Wasser brenne, und mit Feuerspritzen ausrückten.


Zuzuordnen ist diese Schildbürgerei wohl den Wandergeschichten, das heißt, derselbe Streich wird bald von dem einen, bald von dem anderen Ort mit mehr oder weniger geringen Abweichungen erzählt. Insoweit darf für unsere Gegend auf die Nußlocher, die ebenfalls Mondspritzer genannt werden und die Mingolsheimer, die Sonnenspritzer, hingewiesen werden.

Neben diesen heute noch geläufigen Übernamen sind uns aufgrund der Veröffentlichung von Bernhard Kahle in den "Blättern des badischen Vereins für Volkskunde" aus dem Jahre 1908 die damals geläufigen Uznamen bekannt.

 

Während für die Jöhlinger kein Neckname festgehalten ist, sind es für die Wössinger gleich deren vier. Leider ist ihre Bedeutung nicht bekannt, so warum sie "Die Guten", aber auslesen muss man sie". Auch der Name "Krunbirakäfer" (von Grundbirnen = Kartoffeln) und "Griela" (junge Gänse) muss ohne Erläuterung stehen bleiben.

 

Außerdem, so Kahle, heißen die Wössinger noch die "Heinerlen", vermutlich weil so viele den Namen Heinrich tragen.

Als Parallele dazu nennt er den Spottnamen des damals in Münster i.W. stehenden Kürassierregiments, die "Klemenzel" heißen, angeblich weil viele Offiziere desselben, dem westfälischen Adel entstammend, den Vornamen Klemens fuhren.


Die Darmstädter heißen übrigens Heiner, wegen der Häufigkeit des Namens Heinrich! Es wäre auch möglich, dass der Name Heinerle die Nebenbedeutung "Narr, Dummkopf" hat, wie das bayr. Heinel, Heinz, Hienz. Soweit die Ausführungen von B. Kahle.  


Inzwischen ist ein weiterer Wössinger Übername nämlich "Bubhahne" bekannt geworden, für den es aber ebenfalls noch keine Erklärungen gibt.

Necksprüche

 

Nicht als Übername für die Jöhlinger zu sehen ist der Name "Ratzen", wenn in den Nachbargemeinden die Jöhlinger mit dem Vers verspottet werden:


"Die Jöhlinger Ratze
die reite uff de Katze
sie reite uffm Scheierdoor

Jöhlinge isch e Lumpechor"


In diesem Fall ist der Name Ratzen, d.h. Diebe, schlechte Kerle, weniger ein charakteristischer Name für die Jöhlinger, oder wie wir sehen für die entsprechende Ortschaft, er ist vielmehr als Bestandteil einer Wanderstrophe zu sehen, die sich an viele Orte geheftet hat.

 

So wird dieser Vierzeiler auch von den Sulzbachern, den Ladenburgern, den Hemsbachern und den Neckarauern erzählt. Für die Rohrbacher und Dilsberger, so vermutet Kahle, gibt es den gleichen oder einen ähnlichen Vers.

 

Etwas anders aber auch dieser Wanderstrophe zuzurechnen sind folgende Strophen, die der Vollständigkeit halber genannt sein sollen:


"Walldörfer Ratze 
hocke uff de Katze
sitze uff de Bänk
kriege all die Kränk

und ähnlich:

Die Lofelder Ratze 
die sitze uff de Katze 
die sitze uff de Distelfink 
die hewwe all die sidig Kränk

und weiter:

Routeberger Ratze
hocke uff de Katze
hocke uff de Brunnestecke
kenne mi all am A.... lecke"

In Zusammenhang mit Jöhlingen und Wössingen sind aber noch zwei weitere Verse bekannt.


In Wössingen heißt es:


Wer über die Falterbrück geht und spürt koi Wind 
Wer in der Kirchgass sieht koi Kind 
Wer vor dem Bernhards August Haus kriegt koi Spott
der hat a b'sondere Gnad vor Gott


Und folgender Vers sagt über Jöhlingen:

Wer dorch Wöschbach gehd un sähd koi Kind, 
Wer iwer d' Kabell gehd un spierd koin Wind 
Wer dorch Jehlinge geht un kriegd koin Spodd, 
hot e bsunnere Gnad vun Godd.


Dazu kann festgestellt werden, dass es sich um Spottverse handelt, die ähnlich der Wandersagen in vielen Orten, leicht abgeändert, so überliefert sind. Hier ist der für Wertheim kurz zu nennen, da dafür eine ausführliche Erläuterung vorhanden ist, die sinngemäß auch für die Verse über Jöhlingen bzw. Wössingen zutreffen dürfte.


Wer an der Kerch vorbeigeht ohne Wind 
Wer durch die Eschelgass kimmt ohne Kind 
Wer iwer die Dauwerbrück ohne Spott, 
Der hat e bsunnere Gnad von Gott.


Zur Erklärung wird folgendes angeführt:

Die evangelische Stadtkirche liegt an einer Stelle, die sowohl dem Süd- wie Nordwind stark ausgesetzt ist, und an der nordwestlichen Giebelkante brechen sich die Winde sehr stark, weil dort die Straße sehr eng ist, deshalb zieht es dort immer stark.


Der Vergleich zu Wössingen: an der Falterbrücke zieht es schon immer sehr stark vom Zementwerk her.

Und zu Jöhlingen: Auf der Höhe der Maria-Hilf-Kapelle zieht es ebenfalls.


Ferner: Wertheim ist ziemlich kinderreich und die Kinder spielen meistens auf dem Markt oder, wie ein anderer Berichterstatter will, ist die Kinderschar in der Eschelgasse am stärksten.


Der Vergleich zu Wössinger: die Kirchgasse nannte man schon früher wegen der vielen Kinder dort die "Türkei".

Im Jöhlinger Vers sollen die Wöschbacher wegen ihres Kinderreichtums verspottet werden.

Wieder zu Wertheim: Auf der ziemlich schmalen Tauberbrücke halten sich die müßigen Schiffer, Sandschöpfer und Sackträger gern auf

und hemmen die Passage. Da gibt's dann leicht allerhand Zusammenstöße und unliebsame Erörterungen, denn die Schiffer usw. halten

das Stehen auf der Brücke für ihr heiliges Recht, und jeder, der dies nicht achtet, kann darauf rechnen, kritisiert oder verspottet zu werden.

Auch hier wieder die Übereinstimmung mit Wössingen: der Bernhards August war immer auf der Bank vor dem Haus gesessen und jeder musste an ihm vorbei.

Und bei den Jöhlingern, die für ihren treffenden Spott bekannt sind, ist keiner durch den Ort gekommen, ohne dass ihm nicht ein Übername verpasst wurde. 

Aus Pfinztal wurde ein Spruch bekannt, der vermutlich aus der Zeit um 1800 stammt:

 

Wer durch Bilfingen geht und hört's nicht läuten, 
wer durch Königsbach geht und sieht sie nicht streiten,
wer durch Wöschbach geht und sieht kein Kind, 
wer an der Kapell' vorbeigeht und spürt keinen Wind,
wer durch Jöhlingen geht und kriegt keinen Spott,
der hat eine große Gnad' von Gott. 
Wer durch Weingarten geht und wird nicht g'schlagen,
der kann in Untergrombach von 'nem Wunder sagen.

 

Der Spruch stellt eine Mischung von zwei bekannten Spottlitaneien dar, nämlich der wonach der Ungeschlagene von Glück sagen kann

und der nach dem Schema Wind und Kind.

 

Die ersten und letzten beiden Zeilen dürften auf einen Neckreim zurückzuführen sein, der aus den Gemeinden Bilfingen, Königsbach

und Stein überliefert ist:

 

Wer durich Bälfinge' geht un härt net läute',
durich Kinschbach un härt net streite',
durich Stein un word net gschlage',
der kann von Wuner sage'.

 

Konnte man bei den württembergischen Fassungen, die es von diesem Neckreim gibt, noch im Zweifel sein, ob o'glitte' zu leiden oder zu läuten gehört, so wird durch den ebengenannten badischen Vers klar, dass es sich zunächst auf "läuten" bezieht. Orte, die so verspottet werden, sind durchweg katholische Gemeinden, in denen öfter geläutet wird als in protestantischen. Bilfingen hatte zudem früher eine Wallfahrt zu "vnser Lieb fraw mit dem Kündlin".

 

Sehr oft werden Spottnamen oder Spottverse als "Retourkutschen", als Gegenspott der angegriffenen Nachbarn, aufzufassen sein.

Dazu kommt, dass, abgesehen von Namen, die sich als Steigerungen erkennen lassen, in der Regel nicht zu ersehen ist, was der

Ursprung war. (am/rm)



 

Osterbrunnen "Wendelinusbrunnen"

Tradition und Religion

 

Seit 2004 wird bei uns in der Gemeinde der „Wendelinusbrunnen“ auf dem Kirchplatz in Jöhlingen als Osterbrunnen geschmückt. Der Osterbrunnen bleibt hier zwei Wochen vor und zwei Wochen nach Ostern geschmückt.

Der Grund dafür, dass Menschen Brunnen und Quellen schmücken, ist vor allem in dem Bewusstsein und der Bedeutung des Wassers für das Bestehen jeglichen Lebens auf der Erde zu sehen. Wasser ist eines der kostbarsten Ressourcen und wird mit zunehmender Weltbevölkerung immer knapper. Früher holten die Frauen am Ostermorgen das so genannte Osterwasser aus Quellen und Brunnen. Osterwasser war in den bäuerlichen Gegenden ein Bedürfnis in jedem Haus, um ein glückliches und zuversichtliches Jahr zu erwarten. Das magische Wasser sollte der heidnischen Überlieferung nach schweigend nach Hause getragen werden, denn nur so brachte es Glück ins Haus und Viehstall, Gesundheit für alle und eine gute und reiche Ernte. Es war auch Brauch, sich mit Osterwasser zu bespritzen und sich dabei Glück und Segen zu wünschen.

Ostern ist für uns Christen das älteste und höchste Fest im christlichen Kalender. Besonders der Ostersonntag soll ein Tag der Freude sein. An diesem Tag wird die Auferstehung Christi gefeiert.

Heute bezeichnet man hauptsächlich das von einem Priester in den Kirchen gesegnete Wasser, das Taufwasser oder Weihwasser, als Osterwasser.

Wann man anfing, Brunnen mit bunten Eiern und Bändern zu zieren ist nicht bekannt.

Der bunte Brauch lebte aber anfangs des 20sten Jahrhunderts in verschiedenen Orten im Fränkischen, z.B. in Miltenberg oder Pottenstein, wieder auf und hat sich mittlerweile im südlichen und südöstlichen Teil von Deutschland verbreitet. Ausgeblasene bemalte Eier und bunte Bänder, welche an Fichten- oder Buchsgirlanden angebracht sind, werden entweder um die Brunnentröge gehängt oder an Gerüsten und Kronen an der Brunnenanlage befestigt.

In der Vergangenheit hat man aus dem germanischen Frühlingsfest der Göttin Ostera das christliche Osterfest gemacht, hat aber dabei die Abhängigkeit des Zeitpunktes vom Mondzyklus beibehalten. 
So wurde festgelegt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling ist.

Mag sein, dass die Gestalt der Göttin Ostara vergessen wurde, doch ihre Attribute, der Hase und das Ei, sind bis heute geblieben und erfreuen in der Osterzeit Alt und Jung.

Thomas Vollmer

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Ostern und das Rätschen


Eine alte Ostertradition gibt es leider in Jöhlingen nicht mehr.

Am Gründonnerstag nach dem Gloria verstummen die Glocken in den Kirchen und läuten erst wieder beim Gloria, der Auferstehung Jesu, in der Osternacht. Das Läuten der Glocken soll der Überlieferung nach, die Zeit der Grabesruhe Jesu nicht stören. Das Glockengeläut in den Kirchen und zum Kirchgang wird dann durch hölzerne Instrumente wie der Kastenrätsche, Hammerklappern oder anderen Rasseln ersetzt.

Als Kinder wurde uns von unseren Eltern oder Großeltern erzählt, dass die Glocken am Gründonnerstag nach Rom fliegen und erst in der Osternacht wieder zurückkehren.

Seit Generationen wurde der alte Brauch des „Rätschens“ in der Karwoche auch bei uns gepflegt. Die Rätschen und Klappern in Jöhlingen bleiben aber schon seit Jahren genauso stumm wie die Glocken von St. Martin nach dem Gloria an Gründonnerstag. Nur die Hammerklappern, bei der Wandlung, an Stelle der Altarglocken wurden einige Jahre noch benutzt. Leider ist das so markante „klipp klapp“ der Hammerklappern, bei der Wandlung, seit geraumer Zeit auch verstummt. Eine genaue Antwort darauf, warum dieses Brauchtum nicht mehr fortgeführt wird, gibt es nicht. Am Vorhandensein von diesen Holzinstrumenten kann es sicher nicht gelegen haben, denn Rätschen sind in der St. Martinskirche einige vorhanden. Hatten die Ministranten keine Lust mehr zu Rätschen, oder passt es einfach nicht mehr in die moderne Zeit?

Da ich zwischen ca. 1959 und 1964 Ministrant war hat uns Buben dieser Brauch immer sehr viel Spaß gemacht. Mädchen als Ministranten gab es zu dieser Zeit noch nicht. Wir liefen mit unseren Holzkisten im Dorf herum und klapperten anstelle der Kirchenglocken zum Kirchgang. Angeleitet von den älteren Obermessdienern wurde, wenn es für das Vorläuten war, DAS IST DAS ERSTE MAL, gerufen. Wurde dann zum Kirchgang gerätscht rief man, DAS IST DAS ZWEITE MAL. Es wurde dabei sehr laut gerufen, fast schon gebrüllt. Oft war das Rufen lauter als das Geklapper der Rätschen. Eine wunderbare „Klangkulisse“ die für uns Messbuben zu Ostern dazugehörte. Schön war auch das traditionelle „EIERSAMMELN“ der Ministranten am Ostersamstag im Ort. In kleinen Gruppen gingen die Messdiener von Haus zu Haus und haben für den Dienst am Altar, das Jahr über, um eine kleine Aufmerksamkeit in Form von Eiern gebeten. Das war für uns Messdiener eine schöne Zeit, denn ab und zu war auch einmal eine Tafel Schokolade oder gar ein kleinerer Geldbetrag dabei. 
Die Neuministranten wurden von den Oberministranten, „natürlich unbewusst“, in die Ortsteile geschickt wo überwiegend evangelisch gläubige Familien wohnten, welche mit diesem Brauch nicht viel anfangen konnten. Es war für uns Buben aber eine schöne Zeit!

Thomas Vollmer

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Anmerkung: Bilder „Rätsche und Hammerklapper“ Thomas Vollmer 2022.

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